Weckruf – Eine SciFi-Trilogie

Weckruf, Band 1 – Die Insel

Der Anfang eines dreibändigen SciFi-Abenteuers, das es in sich hat.

Sie wollte nicht aufwachen. Es fühlte sich falsch an.
Nein! Nicht! Bitte, flehte sie stumm.
Aber da spürte sie schon einen sanften Wind, der über ihre Stirn und durch ihre Haare strich.
Die Luft war warm, doch sie roch fremd.
Was ist passiert?, dachte sie. Wo bin ich?
In ihrem Kopf hämmerte es. Sie hörte das Raunen von Stimmen, wollte die Augen öffnen. Doch sie fürchtete sich vor dem, was sie sehen würde. Dann überkam sie eine Welle von Übelkeit, und sie hätte gerne geweint. Aber sie hatte keine Tränen.
Also blieb sie still liegen und wartete darauf, dass die
Übelkeit nachließ.
Ich erinnere mich an nichts, dachte sie. An gar nichts.

Sie begriff nicht, wie das möglich sein konnte. Ihr Verstand
funktionierte. Fehlerlos, logisch. Es gab Wörter. Jede
Menge Wörter. Doch da waren keine Erinnerungen, keine vertrauten Bilder. Sie konnte sich nicht einmal auf ihren Namen
besinnen. Und wieder wurde ihr schlecht.

Das ist reine Panik, dachte sie und wunderte sich, dass
sie dieses Wort und seine Bedeutung kannte.
Irgendwo in der Nähe stöhnte jemand. Seltsamerweise
vertrieb das die Angst, und Neugier trat an ihre Stelle. Sie atmete
tief ein und wieder aus. Zehn Sekunden vergingen, zwanzig.
„Hörst du mich? Geht′s dir gut?“

Eine junge Frau erwacht gemeinsam mit anderen jungen Leuten
mitten im Dschungel. Keiner von ihnen kann sich an Persönliches erinnern. Sie erfahren, dass sie sich offenbar auf einer einsamen Insel befinden und erhalten die Weisung, sich Richtung Küste aufzumachen. Doch was anfangs relativ simpel klingt, entpuppt sich schon bald als albtraumhafte Odyssee durch Höhlensysteme, Sümpfe und Lavafelder bis hin zu Ruinen, in denen namenlose Schrecken lauern.

ISBN eBook 9783740707910

ISBN Taschenbuch 9783740708009

Leseprobe Kapitel 5
Iva hätte später nicht sagen können, wie und warum. Doch irgendwann fand sie sich plötzlich in der Gesellschaft von Quinn wieder. Offenbar war sie so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, wie sie immer weiter zurückgefallen war. Nun bildete sie zusammen mit Quinn das Schlusslicht der Gruppe.
„Und?“, begann Quinn. „Wie gefällt dir unser Abenteuer-Ausflug bisher?“
Iva sah ihn unangenehm berührt von der Seite an: „Abenteuer-Ausflug? Ist es das für dich?“
„Das war ironisch gemeint. Ich dachte, das wäre klar.“
„Bei dir ist das nicht so einfach zu unterscheiden.“ Iva fühlte sich unwohl in der Gegenwart dieses Mannes. Mit seinen schwarzen Haaren und der olivfarbenen Haut war er nicht hässlich. Aber die hagere Figur und seine kantigen Gesichtszüge ließen ihn hart wirken. Und seine fast schroffe Art tat ein übriges.
„Nun, dann muss ich mich wohl um etwas mehr Eindeutigkeit bemühen.“
Iva zögerte. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihm die Frage stellen sollte, die ihr auf der Zunge lag. Aber dann dachte sie an Catos Ausbruch und gab sich einen Ruck: „Erinnerst du dich an etwas aus deinem Leben oder daran, woher du das weißt, was du weißt?“
Quinn antwortete nicht sofort, doch sein Schritt beschleunigte sich. Iva vermied es, ihn anzusehen, versuchte aber, mit ihm Schritt zu halten. Die Luft roch staubig und abgestanden. Das Knirschen ihrer Schritte auf dem schotterigen Boden hallte in ihren Ohren wider. Und von vorn hörte sie Wortfetzen und verhaltenes Lachen der anderen. Es klang seltsam hohl und dumpf.
Quinn sagte: „Nein, ich erinnere mich nicht. An nichts. Wenn ich etwas weiß, so, wie das mit den Kokons heute, dann ist das wie eine Idee, die ich habe. Nicht wie eine Erinnerung. Es taucht einfach auf.“
Als hätte ihm dieses Geständnis gutgetan, wurde sein Tempo wieder langsamer. „Und wie ist es bei dir? Hattest du solche –“ Er stockte.
„Solche Ideen, meinst du?“ Jetzt sah sie ihn an.
Er nickte. Überrascht glaubte sie, ein Lächeln zu sehen. Dabei entstanden winzige Lachfältchen um seine Augen. Augen, die fast schwarz waren. Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte sein Gesicht im Schein der Fackeln gar nicht mehr so hart. Doch dieser Eindruck verschwand so schnell wieder, dass sie sich fragte, ob sie es sich nicht eingebildet hatte. Als sei eine kurz geöffnete Tür wieder zugeschlagen worden, verschloss sich sein Gesicht wieder. „Nun, was soll′s. Wir werden hoffentlich bald raus sein aus diesem Irrsinn. Dann wird sich das Ganze schon irgendwie aufklären.“
„Glaubst du das wirklich?“
Quinn zuckte mit den Schultern: „Ich habe keine Lust, mir weiter den Kopf zu zerbrechen. Bringt ja sowieso nichts.“
„Was könnte falsch daran sein, sich Fragen zu stellen?“
Quinn runzelte die Stirn: „Sicher ist es nicht falsch, sich Fragen zu stellen. Aber Sinn hat das nur, wenn man auch eine Chance hat, Antworten zu finden.“
Frustriert gab Iva es auf. Offenbar wollte er nicht, dass sie weiter in ihn drang.
Für einige Sekunden fühlte sie sich, als sei sie allein in einer erstarrten Welt, die in der Zeit stecken gebliebenen war.
Doch dann ließ ein polterndes Grollen in den Tiefen des Berges sie plötzlich aufhorchen. Unmittelbar darauf fuhr ein heftiger Windstoß durch den Tunnel. Von einem Moment zum anderen erloschen sämtliche Fackeln, und sie standen im Dunkeln.
Vor ihnen fluchte jemand. Eine Frauenstimme schrie auf. Dann hörte sie Quinns Stimme: „Keine Angst …“
„Hab′ ich nicht. Ist wahrscheinlich nur ein Erdrutsch.“ Kaum hatte sie den Satz ausgesprochen, wurde ihr klar, was sie da gesagt hatte.
Unmittelbar vor ihr blitzte es kurz. Quinns Fackel loderte auf. Dann hielt er ihr die Fackel hin, damit sie auch ihre wieder anzünden konnte.
„So so. Erdrutsch nennt man das also …“ Die Ironie in seiner Stimme war nicht zu überhören. „Dann haben wir wohl gerade deine Art von Ideen entdeckt. Interessant. Und was ist das – ein Erdrutsch?“
Die Antwort war da, ohne dass sie nachdenken musste: „Wenn durch Unterhöhlung an einem Berghang größere Gesteinsmassen ins Rutschen geraten. Dabei können auch Felsformationen im Inneren eines Berges einstürzen.“
„Völlig klar …“
Dieses Mal war Iva sicher, dass sie sich das Lächeln in seinen Augen nicht einbildete.
„Alles in Ordnung bei euch allen?“, hörten sie Jona von der Spitze des Zuges rufen. Einzelne Stimmen antworteten ihm und bestätigten, dass alles okay sei. Gleichzeitig sah Iva, wie vor ihnen im Tunnel nach und nach immer mehr Fackeln wieder angezündet wurden.
„Uns geht es gut!“, antwortete Quinn laut für sie beide.
Iva fühlte, wie ihr eine Welle von Verlegenheit die Röte ins Gesicht trieb. Dabei hätte sie nicht einmal sagen können, warum. Vielleicht, weil in diesem eigentlich harmlosen Satz plötzlich etwas wie Intimität mitzuschwingen schien. Aber sie kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Die tanzenden und schlingernden Schattenspiele der Fackeln im Tunnel zeigten, dass sich die anderen wieder in Bewegung gesetzt hatten. Also machten sich auch Iva und Quinn auf den Weg.
Der Tunnel wechselte erneut mehrmals kurz nacheinander die Richtung. Iva fragte sich, wie lange sie in diesem Gewirr von Gängen wohl noch herumirren sollten.
Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Krach. Sie hatte nicht einmal mehr Zeit, aufzuschreien. Dann gab der Boden unter ihr nach.

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