3 Facetten von anders

3 Facetten von anders, Band 1 – Dieser Sinn für Wunder

Drei in sich abgeschlossene und voneinander unabhängige Coming of Age Stories über jugendliche Außenseiter und Sonderlinge, die über sich hinauswachsen. Band 1 erzählt die Geschichte von Tita.

„Wenn man in die Zukunft sehen kann, dann muss man doch was Schönes damit machen, nicht?“, fragte Tita und schaute ihre Mutter mit großen Augen an. Tita war sechs Jahre alt, und mit dieser Frage schien es ihr wirklich ernst zu sein.
Ihre Mutter lächelte und antwortete: „Aber sicher, Liebes, wenn man etwas Besonderes kann, sollte man immer etwas Schönes damit machen.“ Sie konnte ja nicht ahnen, dass sich Tita diesen Satz merken würde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sätzen ihrer Mutter.
Neun Jahre später begann das, was Titas Leben für immer verändern sollte, mit einem Kopfstand. Tita machte immer Kopfstand, wenn sie nachdenken musste. Und zur Zeit hatte sie extrem viel nachzudenken. Ergo legte sie vor der einzigen freien Wand in ihrem Zimmer ein Kissen auf den Boden. Dann kniete sie sich hin, stützte Unterarme und Kopf etwa 50 cm von ihren Knien entfernt auf und faltete die Hände hinter dem Kopf zusammen. Anschließend streckte sie das rechte Bein nach hinten und stemmte sich mit dem linken vom Boden hoch. Kurz noch mal Schwung geholt, und ihre Beine schnellten in die Höhe, bis sie an der Wand Halt fanden. Shirshasana heißt das im Yoga. Aber das interessierte Tita im Moment verständlicherweise wenig …”

Ein Unfall und ein ordentlicher Rums auf den Kopf. Als Tita nach drei Tagen aus dem Koma aufwacht, kann sie plötzlich Vergangenes und Zukünftiges wahrnehmen wie andere Leute schreiende Kleinkinder im Bus: eine muslimische Familie, der Unheil droht. Eine alte Frau, die ihren Sohn sucht, der vor über vierzig Jahren zwangsadoptiert wurde. Und die Leiterin einer Außenstelle des Jugendamtes, die fast die Liebe ihres Lebens verpasst. Aber das ist noch nicht alles. Denn immer mehr Hinweise tauchen auf, dass Islamisten ein Attentat planen. Und was kommt wohl dabei heraus, wenn man fünfzehn Jahre alt und plötzlich übersinnlich ist? Antwort: erst Chaos, dann Wunder!

ISBN eBook 978-3-740-73832-7

ISBN Taschenbuch 978-3-740-75082-4

Leseprobe Kapitel 9
 „Bleib bei mir. Hörst du, Sweety?“, flüsterte Sari dicht an Titas rechtem Ohr.
„Aber klar, du Lusche“, flüsterte Tita sanft zurück. Dann verlor sie das Bewusstsein.
Als sie nach drei Tagen, fünf Stunden und acht Minuten das erste Mal zu sich kam, war alles, was sie bemerkte, der bohrende Fremdkörper in ihrem Hals. Um ihn zu entfernen, hätte sie den Arm heben und zum Mund führen müssen. Doch schon der bloße Versuch strengte sie dermaßen an, dass sie erneut das Bewusstsein verlor.
Das zweite Mal brachte insofern eine Erleichterung, als der Fremdkörper nun weg war. Allerdings spürte sie dafür ein schmerzhaftes Stechen in der Armbeuge. Trotzdem schaffte sie es nicht, ihre Augen zu öffnen. Sie dachte noch: Sch…, da überwältigte sie schon die nächste Ohnmacht.
Endlich, beim dritten Mal (nach drei Tagen, siebzehn Stunden und einunddreißig Minuten), hellte sich Titas Bewusstsein weit genug auf, um erstens den Umstand zu würdigen, dass sie NICHT tot war und zweitens ihre Umgebung einigermaßen klar wahrzunehmen.
Offenkundig befand sie sich in einem Krankenzimmer. (Bei dem, woran sie sich verschwommen erinnerte, keine Überraschung.) Rechts neben ihrem Bett stand ein jüngerer Mann in weißem Kittel und notierte etwas in ein digitales Tablet. Er war schlank, hatte leicht schütteres, dunkelblondes Haar und trug eine Brille mit Goldrand.
Tita wollte etwas sagen, brachte aber nur ein Krächzen zustande.
„Na, da bist du ja wieder, du Glückspilz.“ Der Mann bedachte sie mit einem wohlwollenden Lächeln. „Ich bin Doktor Schwan. Und du hattest einen ziemlich schlimmen Unfall.“
Tita setzte zu einem weiteren Artikulationsversuch an. Da hörte sie es: Ohne, dass sich die Lippen des Mannes noch bewegten (und außer ihm war ja niemand da), sagte jemand etwas. Die Stimme, die seltsam geschlechtslos klang, wiederholte leise, aber eindringlich immer wieder die gleichen vier Silben. Silben, die offenbar ein Wort ergeben sollten.
Bevor Tita, völlig fasziniert von dem Phänomen, die Absurdität der Situation auch nur annähernd erfassen konnte, verstand sie endlich, was die komische Stimme sagte:

„Mo-da- fi-nil“

Genau in diesem Moment begann ein geheimnisvoller Countdown, der seinen Höhepunkt 42 Tage später erreichen sollte.

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