Meine Muse heißt Frieda & ist hauptberuflich Fee…

Aber in der einen wie in der anderen Funktion ist sie… nun, sagen wir mal – speziell. Das fing schon bei unserem Kennenlernen an. Und das kam so:

Es geschah mitten in der Nacht (wann auch sonst?). Zuerst dachte ich, ich hätte nur einen seltsamen Traum.  Die Wände meines Schlafzimmers verschwanden. Mein Bett schien plötzlich unter den Sternen zu schweben. Dann machte es „puff“, und wie aus dem Nichts erschien geradewegs über mir eine kleine, knubbelige Frauengestalt. Genau genommen allerdings eine offenbar recht schlecht gelaunte kleine, knubbelige Frauengestalt.

„Was fällt dir ein, mich mitten in der Nacht so mirnichts, dirnichts hierher zu zitieren…?“, blaffte sie mich an.

Ich war mir keiner Schuld bewusst: „Wieso… Ich hab doch gar nicht….“
„Ach, papperlapapp!“ Die kleine Fee, denn um eine solche musste es sich zweifelsohne handeln, flatterte erbost mit den Flügeln und stemmte ihre kleinen, dicken Fäuste in die üppigen Hüften: „Egal… Du hast mich gerufen. Also, sag schon – ich bin deine Muse. Frieda, mein Name. Was willst du?“

Nun muss man wissen, dass ich für kleine, knubbelige Feen spätestens seit Disneys Cinderella eine Schwäche habe.  Allerdings war ich einer solchen bis dato noch nie persönlich begegnet. Ich hätte mir dieses denkwürdige Ereignis daher schon ein bisschen freundlicher gewünscht. Behutsam setzte ich mich also im Bett auf und unternahm einen Beschwichtigungsversuch:

„Entschuldige, liebe Fee… ähm, Muse… ähm, Frieda, wenn ich dich von irgendwas Wichtigem weggerufen habe. Das war keine Absicht. Aber, wenn du schon mal hier bist… Ich hätte tatsächlich einen Wunsch…“

Die kleine Fee schien sich zu beruhigen, strich ihr hellblaues Tüllkleidchen glatt, zog den Zauberstab mit dem Stern hervor, plazierte ihn waagerecht in der Luft und ließ sich leise schnaufend darauf nieder.

„Also, gut. Ich höre…“

„Ich wollte schon immer Geschichtenerzählerin sein. Bücher schreiben.“

„Aha…“ Frieda sammelte einen imaginären Fussel von ihrem Kleid: „Und warum tust du`s nicht?“

„Ich bin mir nicht sicher…“

„Aha….“ Jetzt sah sie mich prüfend an: „Dir ist aber schon klar, dass das etwas ist, das du mit dir selbst ausmachen musst, oder?“ Sie klopfte ein bisschen glitzernden Feenstaub aus dem Zauberstab. „Über die Entscheidungen kann ich nicht bestimmen. Wenn du schreiben willst, dann schreib. Wie du das hinkriegst… deine Sache. Ich kann dir bei den Ideen helfen. Möglicherweise kann ich sogar was für deinen späteren Erfolg tun. Aber ansonsten… Alles andere musst du schon selbst in die Hand nehmen.“ Zur Bekräftigung nickte sie energisch mit dem Kopf.

Eigentlich hätte ich es mir denken können. „Könntest du denn dafür sorgen, dass ich ein bisschen Hilfe bekomme? Irgendwie?“

Die kleine Fee schnaufte mürrisch: „Klar! Was DAS angeht, hast du Glück.“

Na, das war doch schon was.

„Ach, übrigens…“ Sie beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. „Nur so aus Neugier: Was für eine Art Geschichten willst du denn schreiben?“ Während sie das fragte, schaukelte sie sanft auf ihrem Zauberstab vor und zurück. Angesichts der Tatsache, dass der ja frei in der Luft schwebte, sah das wirklich seltsam aus.

Tja, was für eine Art Geschichten will ich schreiben… Gute Frage.

Meine erste Kurzgeschichte habe ich verfasst, als ich zwölf war, auf der kleinen, blauen Reiseschreibmaschine meiner Mutter. Das ´R` rutschte immer nach oben und die ´Ds` wurden meist ganz verschluckt. Mit zwanzig hatte ich sechsundfünfzig Kurzgeschichten und die ersten hundertundvier Seiten eines psychologischen Romans in der Schublade liegen. Doch dann erhielt ich aufgrund von ein paar Liedertexten und Gedichten das Angebot, als Texterin bei einer großen Werbeagentur einzusteigen. Und für die nächsten annähernd dreißig Jahre war meine literarische Laufbahn beendet, noch bevor sie begonnen hatte. Mit den Prospekten und Broschüren, die ich während dieser Zeit verfasste, ließe sich heute wahrscheinlich eine öffentliche Bücherhalle mittlerer Größe bestücken. Bei vermutlich ähnlich breit gefächertem Themenspektrum.

Aber um auf die Geschichten zurückzukommen: An Ideen mangelt es mir nicht! Genau genommen, könnte ich fünfzehn, zwanzig Titel hier und jetzt aus dem Ärmel schütteln. Eben das ist ja mein Problem: Womit fange ich an?

Doch noch bevor ich fragen konnte, rutschte die kleine Fee plötzlich von ihrem Zauberstab herunter. Und auf einmal sah sie gar nicht mehr mürrisch oder schlecht gelaunt aus: „Jetzt pass mal auf, Kind…“ Sie schwenkte ihren Sternenstab. „Stell dir vor, du wirst eines Tages vor das Alleserschaffende Wesen gerufen, und dann fragt es dich: Und? Wie hat dir mein Geschenk gefallen? Sag schon, was hast du Schönes daraus gemacht? Und dann stehst du da. Wieso?, fragst du. Welches Geschenk denn? ICH hab keine Geschenk bekommen… Aber das Alleserschaffende Wesen sagt: Ach, komm schon! Du musst das goldene Päckchen doch gefunden haben. Das mit der roten Schleife. Das war doch nun wirklich nicht zu übersehen… Und du wieder: Wie jetzt, das war für MICH…?

Die kleine Fee sah mich an. Und ihr Blick war fast liebevoll: „Und darum, Kind: Hör auf zu zweifeln. Und mach dich endlich auf den Weg…!“

Tja, was soll ich sagen… Ihr Rat ist angekommen. Aber ein bisschen bange bin ich noch…

Wie ist das bei dir? Hast du eine Muse? Wie ist sie so…?

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